Emanzipation im Sport.

Vielleicht ist es genau richtig für meinen ersten Blogbeitrag dieses Thema als erstes ernstes aufzugreifen:
Emanzipation im Sport. Und ja, damit meine ich alle Sportarten, aber ganz speziell die Bergsportarten.

Wieso gerade das?

  • Vielleicht, weil es mich seit Jahren beschäftigt.

  • Vielleicht, weil die Sprüche immer lauter werden.

  • Vielleicht auch, weil ich selbst eine Frau bin.

Feminismus 2026: Es ist genug.

Feminismus ist 2026 nicht mehr wegzudenken. Und wenn wir ganz ehrlich sind: Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem es so nicht weitergehen kann.
Es. Ist. Genug.

Wovon ich rede?

  • Von Sprüchen hinter dem Rücken, so leise gesagt, dass wir sie trotzdem hören.

  • Von „Witzen“, die nicht lustig sind.

  • Von Mansplaining, das in der Situation einfach unangebracht ist.

  • Von Kommentaren, die unsere Leistung kleinreden, unsere Entscheidungen anzweifeln, unsere Präsenz im Raum als „zu viel“ markieren.

Ich bin nicht die einzige Sportlerin, die das betrifft. Ganz im Gegenteil: Jede einzige Sportlerin, die ich kenne, hat diesen Sexismus schon erlebt oder erlebt ihn noch immer.

Die Zahlen aus dem Bergsport bestätigen, was viele von uns längst spüren:
Die Meldungen von Grenzverletzungen und sexistischen Vorfällen steigen – allein im Deutschen Alpenverein von 10 Fällen (2021/22) auf 33 Fälle im Jahr 2024.
Und auch im Spitzensport berichten fast jede dritte befragte Athletin von sexueller Belästigung, viele von Sexismus im Alltag. (sportschau)

Das ist kein „Einzelfall-Problem“. Das ist ein Struktur-Problem.

Wie Frauen ihre Sportart neu definiert haben.

Bergsteigen, Klettern, Alpinismus – lange galten diese Bereiche als „Männersache“.
Frauen wurden von Vereinen ausgeschlossen, von Expeditionen nicht eingeladen, in der Geschichtsschreibung unsichtbar gemacht.

Trotz ,oder gerade wegen, dieser Widerstände haben Frauen ihre Sportart neu definiert:

  • Sie sind trotzdem gegangen.

  • Sie haben eigene Routen erschlossen.

  • Sie haben neue Formen des Trainings, der Vorbereitung, der Risikoeinschätzung entwickelt.

  • Sie haben Netzwerke aufgebaut, in denen Wissen, Erfahrung und Unterstützung weitergegeben werden.

Frauen haben den Bergsport nicht nur „betreten“ – sie haben ihn mitgeprägt!
Mit anderen Zugängen zu Risiko, mit anderen Narrativen von Erfolg, mit anderen Bildern von Stärke.

Und sie tun es bis heute:
In Projekten, die weibliche Vorbilder sichtbar machen. In Initiativen, die sichere Räume schaffen. In Geschichten, die zeigen: Bergsport ist keine Männerdomäne, sondern ein gemeinsamer Raum. (schoenstezeit)

Woher kommt das sexistische Verhalten?

Vielleicht kommt dieses Verhalten von einem veralteten Weltbild:
Frauen seien schwächer, sollten im Hintergrund bleiben, schön still und leise.

Aber was sagt das über die Person aus, die sich so verhält?
Nichts Gutes.

Es sagt etwas über Unsicherheit. Über das Bedürfnis, die eigene Position zu verteidigen. Über ein Bild von Stärke, das mit Dominanz verwechselt wird und nicht mit echter Kompetenz, Verantwortung und Respekt.

Wir denken anders und das ist eine Stärke!

Ja, wir Frauen denken anders.
Und ja, unser mentaler und körperlicher Zugang im Sport ist oft ein anderer.

Studien zeigen zum Beispiel, dass Athletinnen im Leistungssport signifikant mehr negativen Stress erleben als ihre männlichen Kollegen.
Gleichzeitig bringen sie oft andere Qualitäten mit: eine andere Risikowahrnehmung, eine andere Art der Kommunikation, eine andere Form der Vorbereitung.

Trotzdem, oder gerade deshalb, haben wir für unser Können Respekt verdient.

Denn oft müssen wir mehr leisten als unsere männlichen Kollegen, um ernst genommen zu werden:

  • härter trainieren

  • uns gezielter mental vorbereiten

  • präsenter sein, wenn wir nicht übersehen werden wollen

  • unsere Leistung sichtbarer machen, damit sie nicht als „Glück“ oder „Ausnahme“ abgetan wird

Ich finde: Das macht uns zu verdammt starken Persönlichkeiten und Menschen.

Wie Frauen ihre Sportart heute neu definieren.

Emanzipation im Sport ist kein abgeschlossenes Kapitel.
Sie findet jetzt statt. In jeder Generation, die neu dazukommt.

Heute definieren Frauen ihre Sportart neu, indem sie:

  • Sichtbarkeit schaffen: durch eigene Projekte, Medien, Bücher, Filme (wie „Pionierinnen am Berg“ oder „Höher als der Himmel“.)

  • Strukturen hinterfragen: Wer spricht? Wer entscheidet? Wer wird gefördert?

  • Räume öffnen: Frauenseilschaften, Frauen-Festivals, Frauen-Expeditionen, Frauen-Trainings, in denen andere Dynamiken möglich sind.

  • Grenzen setzen: gegen Sprüche, Übergriffe, „Witze“ – laut, klar, unmissverständlich.

Sie zeigen: Stärke ist nicht nur physisch.
Stärke ist auch mental, emotional, sozial.
Stärke ist die Fähigkeit, den eigenen Weg zu gehen – auch gegen Widerstand.

Gleichberechtigung ist keine Option, sie ist notwendig.

Und gerade heute sollte bei allen angekommen sein:
Gleichberechtigung ist kein „nice to have“, sie ist eine Notwendigkeit.

Sie macht uns als Gemeinschaft stärker: auf der Matte, am Fels, am Berg und in jedem anderen Sport.

Wenn wir Frauen im Sport ernst nehmen, wenn wir ihre Leistung sichtbar machen, wenn wir Strukturen schaffen, in denen sie sicher und respektvoll agieren können, dann gewinnen wir alle:

  • mehr Vielfalt in Führungspositionen und Teams

  • mehr Sicherheit am Berg und in der Gruppe

  • mehr echte Vorbilder für junge Sportlerinnen

  • mehr Raum für unterschiedliche Zugänge zu Training, Risiko und Erfolg

Was ich mir wünsche und was Du tun kannst.

Ich möchte diesen Raum nutzen, um Bewusstsein zu schaffen, Geschichten zu teilen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie wir den Sport fairer, respektvoller und empowernder gestalten können.

Wenn du als Frau ähnliche Erfahrungen gemacht hast:
Du bist nicht allein. Deine Wahrnehmung ist valide. Dein Ärger ist berechtigt.

Wenn du als Mann schon mal bewusst hingeschaut hast, wo es schief läuft:
Danke. Genau solche Verbündeten brauchen wir.

Ich lade dich ein:

  • Schreib mir gerne einen Kommentar oder eine Nachricht.

  • Teile deine Geschichte: anonym, wenn du möchtest.

  • Überleg, wo du selbst schon mal weggeschaut hast und wo du nächstes Mal anders reagieren könntest.

Emanzipation im Sport ist kein Frauenthema.
Es ist ein Menschheitsthema.
Und es beginnt bei jedem einzelnen von uns - im kleinen Gespräch, in der Gruppe, am Seil, am Brett, am Gipfel.

Frauen haben ihre Sportart neu definiert und sie tun es weiter.
Die Frage ist nur: Sind wir bereit, das mitzulesen, mitzudenken und mitzugestalten?

Zurück
Zurück

Mentale Stärke und Ernährung.